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Zehnjahresplan für den Wiener Basketball: „Wir haben alle Voraussetzungen“

Basketball-Wien-Präsident Thomas Holzgruber hat im Gespräch mit Basketball Austria seine Vision für den Wiener Basketball skizziert: einen Zehnjahresplan, der die Stadt als Basketballstandort in Europa etablieren soll.

Internationale Spiele ziehen neues Publikum an, die Zahl der Nachwuchsteams steigt und gleichzeitig wächst der Bedarf an Hallen und Trainingsmöglichkeiten. Für Holzgruber ist diese Entwicklung deshalb nicht als kurzfristiger Boom zu verstehen, sondern als Teil eines langfristigen Plans.

„Ich habe einen Zehnjahresplan.“ Das Ziel sei klar: „Wien als Basketballstandort auf die europäische Landkarte zu bringen.“

Internationale Bühne als Chance für den Standort

Eine zentrale Rolle spielt dabei der internationale Spitzenbasketball. BC Vienna hat seine erste Saison in der ABA League absolviert und kämpft im kommenden September um den Einzug in die Basketball Champions League. Unabhängig vom Ausgang der Qualifikation ist damit ein weiterer internationaler Bewerb fix: Bei einem Ausscheiden wartet der FIBA Europe Cup.

Holzgruber unterstützt diesen Weg ausdrücklich: „Ich unterstütze das zu 100 Prozent. Das ist die Zukunft des Basketballs in Wien.“ Dabei geht es ihm nicht ausschließlich um die sportliche Entwicklung eines einzelnen Vereins. Ein international konkurrenzfähiger Spitzenklub soll Aufmerksamkeit schaffen, neue Zuschauer erreichen, zusätzliche Sponsoren ansprechen und damit den gesamten Basketballstandort stärken.

Dass internationale Spiele in Wien große Zugkraft entwickeln können, habe sich bereits gezeigt: „Wenn Wien gegen Partizan spielt, ist die Hütte voll.“ Für den Basketball-Wien-Präsidenten ist das keine Abwertung der heimischen Bewerbe. Internationale Spiele sprechen schlicht ein anderes Publikum an und erzeugen eine andere Aufmerksamkeit.

Hochklassige internationale Spiele könnten Menschen für Basketball begeistern, die bislang kaum Berührungspunkte mit dem Sport in Wien hatten. Diese Wirkung soll über den Spitzenbasketball hinausreichen: „Wenn Wien dort oben mitspielt, wird Basketballösterreich bei Damen und Herren profitieren.“

Perspektiven für Wiener Talente schaffen

Mit dem steigenden internationalen Niveau wächst gleichzeitig die Herausforderung, heimischen Spielerinnen und Spielern Entwicklungsmöglichkeiten auf höchstem Niveau zu bieten. Viele der besten Wiener Talente verlassen im Laufe ihrer Ausbildung die Stadt und setzen ihre Entwicklung etwa an Colleges in den USA oder bei Vereinen in etablierten europäischen Basketballmärkten fort.

Holzgruber sieht deshalb in einem starken Wiener Profistandort auch eine Chance für den Nachwuchs. „Natürlich ist es der Wunsch, dass wir österreichische Spieler haben“, erklärt der studierte Jurist. Entscheidend sei, jungen Spielerinnen und Spielern attraktive sportliche und wirtschaftliche Perspektiven bieten zu können:

„Es wäre gut für den österreichischen Basketball, diese „Local Heroes“ auch in Wien zu halten.“ Dafür brauche es professionelle Strukturen und Vereine, die sportlich und wirtschaftlich die Voraussetzungen dafür schaffen.

Rekordzahlen im Wiener Nachwuchs

Der aktuelle Aufschwung zeigt sich längst nicht nur im Profibereich oder auf den Tribünen. Auch im Nachwuchs wächst die Nachfrage deutlich. Für die kommende Wiener Meisterschaft gibt es eine Rekordzahl an Meldungen. „Die Kinder rennen uns die Türen ein.“

Mehr Aufmerksamkeit für Basketball soll auch mehr Kinder und Jugendliche für den Sport begeistern und gleichzeitig die Strukturen der Wiener Vereine stärken. Auch bei der Ausbildung von Trainerinnen und Trainern sowie Schiedsrichterinnen und Schiedsrichtern wurden in den vergangenen Jahren weitere Fortschritte erzielt.

Parallel zur sportlichen Entwicklung beobachtet Holzgruber eine stärkere Zusammenarbeit zwischen den Wiener Vereinen. Der Standortgedanke soll dabei zunehmend in den Vordergrund rücken: Ziel ist eine Struktur, in der internationaler Spitzensport, leistungsorientierte Vereinsarbeit, Nachwuchs und Breitensport nicht getrennt voneinander betrachtet werden.

Zur Spitze sollen starke Vereine kommen, die Talente ausbilden und Basketball in den Bezirken verankern. Der Erfolg einzelner Bereiche soll damit auf den gesamten Wiener Basketball ausstrahlen.

Infrastruktur wird zum Engpass

Mit dem Wachstum verschärft sich allerdings auch eines der größten Probleme des Wiener Basketballs: der Mangel an verfügbaren Hallen und Trainingszeiten. „Wir kämpfen extrem um Infrastruktur“, betont Holzgruber. Der steigenden Zahl an Spielerinnen, Spielern und Mannschaften stehen weiterhin begrenzte Hallenkapazitäten gegenüber, weshalb Basketball Wien laufend mit der Stadt Wien im Austausch steht, um zusätzliche Möglichkeiten zu schaffen.

Eine wichtige Rolle spielt dabei auch die Zukunft der Postsporthalle. Im Zuge der geplanten Neugestaltung soll auf dem Postsportgelände wieder eine Dreifachhalle entstehen; in welchem Umfang diese künftig für Basketball zur Verfügung stehen wird, ist derzeit noch offen.

Parallel dazu laufen Gespräche über weitere Infrastrukturprojekte und zusätzliche Hallenkapazitäten. Für Holzgruber hängen sportliche Entwicklung und Infrastruktur unmittelbar zusammen: Je größer die Sichtbarkeit und Nachfrage werden, desto wichtiger seien entsprechende Rahmenbedingungen.

Richtung europäische Spitze

Der Anspruch von Basketball Wien geht über einzelne Saisonen hinaus: „Wir wollen, dass Wien bei Männern und Frauen auf internationalem Top-Level spielt.“ Ob dies irgendwann EuroLeague-Basketball in der Wiener Stadthalle, andere europäische Spitzenbewerbe oder neue internationale Formate bedeutet, ist für Holzgruber nicht der entscheidende Punkt.

Im Mittelpunkt steht die Entwicklung des gesamten Standorts, vom Nachwuchs über die Vereine bis zum internationalen Spitzensport. Holzgruber ist überzeugt, dass Wien dafür die Voraussetzungen mitbringt.

Das vollständige Interview mit Thomas Holzgruber ist bei Basketball Austria nachzulesen.