ABA League: BC Vienna entscheidet den „Thrilla“ nach zwei Overtimes
118:114 nach zwei Overtimes. Ein Thriller in Wien, der sich schwer erklären lässt, sondern erlebt werden musste. Ein Abend, an dem Basketball jede Logik sprengte. Drama mit Momenten, die bleiben.
Manche Spiele gehören nicht in Tabellen, sondern in Erinnerung. Dieses hier war so eines. Freitagabend, Runde 15 der ABA League, Hallmann Dome. 50 Minuten Basketball, die sich anfühlten wie ein einziger langer Atemzug zwischen Hoffnung, Zweifel und purem Willen. Ein Rollercoaster.
Wer an diesem Abend im Dome war, weiß, warum Vergleiche mit großen Basketballnächten erlaubt sind – gerade in Wien, wo es solche Abende auf internationaler Bühne nicht allzu oft gibt. Nicht wegen des Namens, nicht wegen der Bühne, sondern wegen der Intensität.
„Thrilla in Vienna“, roh, laut, nervenaufreibend. Manila lässt grüßen, nicht als Kopie, sondern als Gefühl. Dieses kollektive Innehalten vor jedem Freiwurf, dieses Aufbäumen nach jedem Rückschlag, dieses Wissen, dass hier etwas Außergewöhnliches passiert.
Spartak kontrolliert, Vienna überlebt
Über weite Strecken schien KK Spartak Subotica alles im Griff zu haben. Ruhig, kontrolliert, effizient. Die Gäste führten durch drei Viertel und setzten sich im vierten Abschnitt sogar leicht ab. Acht Punkte Vorsprung, etwas mehr als drei Minuten auf der Uhr, das Momentum sprach klar für das Team von Vlada Jovanović.
Mehr noch: Spartak hatte den Sieg gleich zweimal selbst in der Hand, im letzten Angriff der regulären Spielzeit ebenso wie am Ende der ersten Overtime. Doch beide Male blieb der entscheidende Abschluss aus, auch weil Vienna defensiv mutig agierte. Vienna wankte, fiel aber nicht.
Getragen wurde diese Phase vor allem von Danilo Nikolić, der mit 30 Punkten und hoher Effizienz immer wieder Antworten fand, sowie Luka Cerovina, der mit 26 Zählern konstant Druck ausübte. Auch Igor Drobnjak setzte mit 16 Punkten und wichtigen Dreiern Akzente.
Auffällig blieb jedoch, dass Spartak aus der Distanz zwar solide, aber nicht mit der sonst gewohnten Durchschlagskraft auftrat. Gerade in den entscheidenden Phasen fehlte ein konstanter Rhythmus von außen, ein Faktor, der angesichts des engen Spielverlaufs ins Gewicht fiel.
Zudem blieb Olivier Hanlan, sonst kreativer Taktgeber und primärer Shot-Creator, spielerisch unter seinen Möglichkeiten. Zwar steuerte der Guard 15 Punkte bei, fand jedoch weder konstanten Rhythmus noch prägenden Einfluss in den entscheidenden Sequenzen.
Zwei Overtimes, keine Ausreden
Die erste Overtime war Chaos und Kontrolle zugleich. Beide Teams hatten offene Abschlüsse, beide Teams ließen sie liegen. Müdigkeit war sichtbar, Zweifel auch, aber Aufgeben stand auf keiner Seite zur Debatte. Nach weiteren fünf Minuten stand fest: Es reicht noch nicht. Zweite Overtime. Und dann kam dieser Moment.
Darko Bajo, bis dahin ein solider Teil des Ganzen, bekam den Ball von Lovre Runjić. Kein Rhythmuswurf, kein Play aus dem Lehrbuch. Ein Dreier aus dem Nichts. Schwer, mutig, kompromisslos. Der Ball fiel. Der Dome tobte. Ein stiller, aber klarer Gedanke an Coach Ante Grgurević, dessen Tod die Basketballwelt am Balkan zuletzt erschüttert hatte. Kein großes Zeichen, kein aufgesetztes Pathos. Nur ein Wurf, der mehr bedeutete als drei Punkte.
Führungsspieler, wenn es brennt
BC Vienna gewann dieses Spiel nicht durch Schönheit, sondern durch Haltung und Nervenstärke. Souley Boum war dabei der konstante Fixpunkt. 27 Punkte, 12 von 12 von der Linie, sechs Assists. Immer dann, wenn das Spiel zu kippen drohte, war er da. Nicht hektisch, nicht laut, sondern präzise.
Boum kontrollierte die entscheidenden Phasen, traf die richtigen Entscheidungen und blieb eiskalt, als die Beine schwer wurden. Umso bemerkenswerter: Vienna musste in den Overtimes ohne seinen Go-to-Guard auskommen, nachdem Boum zwei technische Fouls kassiert hatte.
Gregor Glas lieferte die vielleicht körperlich eindrucksvollste Leistung des Abends. 31 Punkte in fast 46 Minuten, 13 von 15 Freiwürfen, permanente Präsenz. Er trug Verantwortung, suchte sie, nahm sie an. Simas Jarumbauskas setzte dem Abend eine statistische Absurdität entgegen. 24 Punkte bei 100 Prozent aus dem Feld, Zweier, Dreier, dazu 11 von 15 von der Linie. Effizienz als Statement.
In diesen Phasen war es auch immer wieder Rašid Mahalbašić, der das Spiel beruhigte, Mitspieler um sich sammelte und als Kapitän Ordnung in das hektische Chaos brachte. Ohne große Gesten, ohne statistische Auffälligkeiten, aber mit Präsenz, Kommunikation und feinem Gespür hielt er das Team in solchen Momenten zusammen.
Die kleinen Zahlen, der große Unterschied
In einem Spiel, das über zwei Overtimes ging, entschieden Details. Vienna leistete sich nur zehn Turnover, Spartak siebzehn. Diese sieben Ballverluste Unterschied waren Gold wert. Vienna nutzte sie, blieb geduldig, bestrafte Fehler. Auch von der Linie zeigte sich, wer an diesem Abend die besseren Nerven hatte. 44 verwandelte Freiwürfe bei 81,5 Prozent. Kein Zufall, sondern Konsequenz.
Eine Basketballnacht, die bleibt
Dieser Sieg war kein Statement für die Tabelle, sondern für den Standort. Für Wien. Für Basketball auf internationalem Niveau, direkt vor unserer Haustür, emotional, echt. Der Dome war voll, laut, fordernd. Und er trug dieses Team, als es darauf ankam.
Nach fast drei Stunden war klar: Dieses Spiel wird man nicht nacherzählen können, ohne wieder Gänsehaut zu bekommen. Ein Thriller in Wien, 2OT, ein Dreier aus dem Nichts, Freiwürfe unter maximalem Druck, Basketball in seiner pursten Form – die Sportart, die wir so abgöttisch lieben und die noch immer nicht die Beachtung bekommt, die sie verdient.
Manche Spiele enden mit der Sirene. Dieses hier wirkt nach, lange danach. Und dieser Abend zeigte eindrucksvoll, welches Potenzial die ABA League in Wien bereits in ihrer Premierensaison entfaltet.
ABA League · Round 15
Group B
| # | Club | GP | W | L | PF/PA | +/- | P |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 1 | KK Cedevita Olimpija | 13 | 10 | 3 | 1155:1031 | 124 | 23 |
| 2 | KK Budućnost | 12 | 10 | 2 | 1089:958 | 131 | 22 |
| 3 | KK Crvena Zvezda | 12 | 9 | 3 | 1097:975 | 122 | 21 |
| 4 | KK Spartak Subotica | 14 | 7 | 7 | 1169:1170 | -1 | 21 |
| 5 | KK Bosna Sarajevo | 12 | 6 | 6 | 994:1017 | -23 | 18 |
| 6 | KK Zadar | 13 | 4 | 9 | 1049:1088 | -39 | 17 |
| 7 | BC Vienna | 13 | 4 | 9 | 1084:1179 | -95 | 17 |
| 8 | KK Mega Basket | 12 | 4 | 8 | 1005:1118 | -113 | 16 |
| 9 | Perspektiva Ilirija | 13 | 3 | 10 | 1032:1138 | -106 | 16 |
ABA League · Round 15
Group B
ABA League Tabelle| # | Club | GP | W | P |
|---|---|---|---|---|
| 1 | KK Cedevita Olimpija | 13 | 10 | 23 |
| 2 | KK Budućnost | 12 | 10 | 22 |
| 3 | KK Crvena Zvezda | 12 | 9 | 21 |
| 4 | KK Spartak Subotica | 14 | 7 | 21 |
| 5 | KK Bosna Sarajevo | 12 | 6 | 18 |
| 6 | KKZadar | 13 | 4 | 17 |
| 7 | BC Vienna | 13 | 4 | 17 |
| 8 | KK Mega Basket | 12 | 4 | 16 |
| 9 | Perspektiva Ilirija | 13 | 3 | 16 |
