BC Vienna will Momentum gegen FMP bestätigen
BC Vienna hat im Play-out der ABA League einen klaren Aufwärtstrend hingelegt. Drei Siege aus den letzten vier Spielen haben die Ausgangslage spürbar verändert, vor allem das Comeback gegen KK Split war ein klares Signal.
19 Punkte Rückstand, ein Schlussviertel mit 32:7, ein Spiel, das bereits verloren schien und dann komplett kippte. Vienna hat sich damit wieder in eine Position gebracht, in der man den weiteren Verlauf dieser Phase selbst bestimmen kann.
Dieses Spiel hat mehr hinterlassen als nur einen Sieg. Es hat eine Mannschaft verändert, die sich dieses Selbstvertrauen über Wochen erarbeiten musste. In einer Saison, in der vieles nicht selbstverständlich war, war dieser Abend in Split ein Moment, der hängen bleibt.
Wer einen solchen Rückstand aufholt und im Schlussviertel einen derart surrealen Run hinlegt, steigt nicht einfach in den Flieger und fliegt nach Hause. Diese Art von Sieg trägt dich. Die Wiener hätten den Rückweg theoretisch auch zu Fuß antreten können, quer durch Kroatien und Slowenien. So viel Energie steckt nach so einem Spiel in dieser Mannschaft.
Angeführt wurde dieser Lauf einmal mehr von Souley Boum, der im entscheidenden Moment übernahm. Gleichzeitig reagierte die Mannschaft geschlossen und drehte die Partie an der Adriaküste.
Ein Spiel mit klarer Bedeutung
Am Sonntag kehren die Wiener in den Dome zurück. Beim Family Day geht es in Runde 5 gegen KK FMP (16.00 Uhr) um ein Spiel, das direkte Auswirkungen auf das Rennen um die Play-In-Plätze hat. Mit einem weiteren Erfolg würde sich das Team von BC-Coach Mike Coffin mitten im Rennen festsetzen und den Druck auf die Konkurrenz erhöhen.
Die Bedeutung dieser Partie lässt sich kaum überschätzen. Rein sportlich hat dieses Spiel mehr Gewicht als das viel beachtete Duell im vergangenen November in der Sport Arena gegen den EuroLeague-Teilnehmer Crvena Zvezda. Damals ging es um Aufmerksamkeit, Bühne und einen besonderen Abend im Grunddurchgang, jetzt geht es um die Saison.
Man muss keine Raketenwissenschaft studiert haben, um zu erkennen, wo in dieser Phase die Prioritäten liegen. Die Verantwortlichen haben daher Routinier und Kapitän Rašid Mahalbašić gemeinsam mit der U19 nach Oberösterreich, nach Wels geschickt, um dort am Samstagabend das sechste von zehn Spielen der Platzierungsrunde in der heimischen BSL zu bestreiten. Der Fokus liegt vollständig auf der Partie am Sonntag, auch weil es der Spielplan der Liga nicht anders zulässt.
Die Verbindung, die bis heute nachwirkt
FMP ist kein gewöhnlicher Gegner, weil die Geschichte dieses Klubs direkt mit einer der prägendsten Entwicklungen des serbischen Basketballs verbunden ist. Der ursprüngliche FMP Železnik gehörte über Jahre zu den erfolgreicheren Teams der Region, gewann zweimal die ABA League und mehrere nationale Titel.
Gleichzeitig war der Klub eine der wichtigsten Talentschmieden des Balkans, Spieler wie Miloš Teodosić, Duško Savanović, Milan Mačvan, Marko Gudurić oder Dejan Milojević, der mittlerweile verstorbene Assistant Coach der Golden State Warriors, gingen durch dieses System.
2011 kam es dann zu einem Einschnitt, der den Klub in dieser Form beendete. Mit KK Crvena Zvezda stand einer der größten Klubs des Landes finanziell am Abgrund, Schulden im zweistelligen Millionenbereich bedrohten die Existenz.
In dieser Situation trat Nebojša Čović auf den Plan. Der ehemalige Politiker hatte zuvor über Jahre die prägende Rolle bei FMP und übernahm in dieser Phase die Führung beim Traditionsklub. Genau diese Doppelrolle war der entscheidende Faktor.
Čović nutzte diese Verflechtung konsequent. Mit politischem Rückhalt und entsprechendem Einfluss wurde ein Modell umgesetzt, das bis heute als Sonderfall gilt. FMP stellte die Grundlage, die ABA-Lizenz sowie zentrale Teile der sportlichen und organisatorischen Ressourcen gingen in den laufenden Betrieb von Zvezda über.
Einschnitt mit weitreichenden Folgen
Ohne diesen Schritt hätte es den Klub in dieser Form nicht mehr gegeben. Weder die Stabilisierung in der ABA League noch die spätere Rückkehr in die EuroLeague wären ohne diese Konstruktion möglich gewesen. Parallel dazu verschwand das ursprüngliche FMP aus dem Profibereich.
Die heutige Version des Klubs geht nicht direkt auf den ursprünglichen FMP zurück. Stattdessen übernahm ein anderer Verein, KK Radnički Novi Sad, der 2009 nach Belgrad übersiedelte, im Jahr 2013 den Namen, das Logo und den Standort in Železnik und tritt seither als FMP auf.
Čović ist bis heute eine der einflussreichsten und zugleich umstrittensten Figuren im serbischen Basketball und seit 2024 Präsident des serbischen Basketballverbandes (KSS), nachdem es bei seiner Wahl keinen Gegenkandidaten gab. Seine Rolle bewegt sich seit Jahren im Spannungsfeld zwischen sportlichem Erfolg, politischem Einfluss und strukturellen Graubereichen, die immer wieder Diskussionen auslösen.
Dazu zählt auch sein weitreichender Einfluss innerhalb der serbischen Liga KLS, der regelmäßig Gegenstand von Kritik ist, insbesondere im Zusammenhang mit Entscheidungsprozessen und dem generellen Machtgefüge im nationalen Wettbewerb.
Ein Gegner, der von Fehlern lebt
Sportlich ergibt sich ein klares Bild dieses Duells. FMP ist kein Team, das Spiele über individuelle Klasse dominiert, sondern eines, das über Intensität, Physis und Druck kommt. Die Mannschaft versucht bewusst, Spiele unruhig zu machen, den Rhythmus des Gegners zu brechen und aus Ballverlusten sowie schnellen Transition-Situationen Kapital zu schlagen. Genau in diesen Phasen entstehen ihre Runs. Lässt man sich darauf ein, wird es unangenehm, nimmt man ihnen diese Momente, verliert FMP einen großen Teil seiner Wirkung.
Wo sich das Spiel entscheidet
Ein Blick auf die Zahlen unterstreicht, wie eng dieses Duell auf Papier angelegt ist. Beide Teams erzielen nahezu identische Punktewerte, Vienna mit 84,5 Punkten pro Spiel, FMP mit 84,26. Auch bei Rebounds und Wurfquoten bewegen sich beide Mannschaften auf ähnlichem Niveau. Der Unterschied liegt in der Spielweise.
Vienna verteilt den Ball besser und kommt auf deutlich mehr Assists, während FMP vor allem über zweite Chancen und physische Präsenz unter dem Korb kommt. Mehr Offensivrebounds und mehr Blocks bedeuten zusätzliche Possessions und genau daraus entwickelt sich ihr Spiel.
Im Fokus steht dabei vor allem Filip Barna, der als klarer Topscorer und einer der wichtigsten Ballhandler das Spiel von FMP prägt. Ein Großteil der Offense läuft über ihn. Ergänzt wird er von Joshua Scott, der ebenfalls konstant punktet und als zusätzliche Option im Backcourt fungiert. Unter dem Korb bringt Filip Rebrača die nötige Präsenz, insbesondere beim Rebounding.
Worauf Vienna aufpassen muss
Für BC Vienna ergibt sich daraus eine klare Aufgabe. Das Spiel darf nicht in die Richtung kippen, die FMP sucht. Ballverluste müssen minimiert werden, Abschlüsse kontrolliert vorbereitet sein und Phasen, in denen das Spiel hektisch wird, gilt es zu vermeiden. Gelingt es Vienna, das Tempo vorzugeben und den eigenen Rhythmus durchzusetzen, liegt der Vorteil auf ihrer Seite.
Die letzten Spiele haben gezeigt, dass genau das möglich ist. Gegen Split hat die Mannschaft bewiesen, dass sie auch unter Druck Lösungen findet und Spiele drehen kann. Mit diesem Momentum geht Vienna nun in das Heimspiel, das im Rahmen des Family Day eine besondere Atmosphäre bietet.
Die Ausgangslage lässt wenig Interpretationsspielraum. Die Mini-Siegesserie hat Vienna zurück ins Rennen gebracht. Ein weiterer Erfolg würde diesen Lauf bestätigen und die Position im Play-In-Kampf festigen. Am Sonntagnachmittag geht es darum, diesen Lauf fortzusetzen.
Foto: CrownCapture
